erstellt von Eduard Obermeier

01.02.2016
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Verkehrsgespräch - Podiumsdiskussion im MZ-Verlagshaus am 1. Februar 2016

Als interessierter Zuhörer der Diskussion und als Bürgermeister und Landkreisbürger teile ich meine Eindrücke und meine verkehrspolitischen Ansätze gerne mit, auch wenn vielleicht nicht mediengerecht in nur wenigen Sätzen. Die Komplexität des Themas lässt dies meines Erachtens einfach nicht zu.

Ampelfreie Kreuzung am DEZ

Eine sehr wesentliche Stellungnahme erfolgte von einer Dame, die logisch die Zusammenhänge der aktuellen Stauthematik Nibelungenbrücke und Landshuterstraße mit einer zukünftigen Sallener Regenbrücke verknüpfte: dieser Verkehr wird - unabhängig von einer eingehausten Nordgaustraße - die aktuelle Situation an der Kreuzung beim DEZ weiterhin verschärfen, was letztendlich zum Chaos führen wird. Bereits jetzt ist diese Kreuzung in den Stoßzeiten am Limit. Die Lösung einer ampelfreien Kreuzung (Unter- oder Überführung) ist auch von OB Wolbergs bereits erkannt. Es hilft aber nicht, die Notwendigkeit zu erkennen und die Dimension der Maßnahme als gewaltig zu bezeichnen, es muss die Entscheidung herbeigeführt werden, dies auch zu tun. Gerade wenn man an der Sallerner Regenbrücke festhalten will.

Verbesserung ÖPNV

Aus meiner Sicht sind der RVV und die verantwortlichen OB Wolbergs und Landrätin Tanja Schweiger hier auf einem sehr guten und richtigen Weg. Insoweit begrüße ich die Zusage vom OB, alle - Betonung liegt auf alle - Lösungsvorschläge vorurteilsfrei zuzulassen und zu prüfen, auch wenn da eine Kneitinger Brücke dabei ist. Als ehemaliger Mitarbeiter der Barmherzigen Brüder benötigte ich eine Stunde (!), um mit dem Bus der Linie 12 von Pettendorf zur Prüfeninger Straße zu kommen! Zu Fuß - und ich war wirklich kein sehr trainierter Läufer - war ich schneller! Und mit dem Pkw, also mittels MIV, war ich ohne Stau an der Auffahrt Pfaffenstein in ca. 18 Minuten an meinem Arbeitsplatz.

Die Akzeptanz des ÖPNV steigt mit der Attraktivität des Angebotes. Dies ist für den (nord-)westlichen Landkreis nicht gegeben. Durch die tägliche aktuelle Stausituation Nibelungenbrücke - Kreuzung DEZ - Frankenstraße benötigt der Bus der Linie 12 vom Bahnhof bis zur Oberpfalzbrücke genauso viel Zeit wie von dort bis nach Heitzenhofen! Durchgehende Busspuren sind daher also absolut ein wichtiger Ansatz.

Weltverbesserung anstelle Problemlösung?

Viele Stellungnahmen in der Diskussion waren grundsätzlicher Natur und somit auch grundsätzlich nicht von der Hand zu weisen. Gewählte Politiker haben jedoch die manchmal undankbare Aufgabe, anstelle die ganze Welt zu verbessern, die Probleme vor Ort zu lösen. Und daran werden sie in der Regel auch gemessen. Nun darf ich mich ja mehr oder weniger seit 2002 mit der Verkehrsthematik im Raum Regensburg befassen und nicht von ungefähr wurde bereits 2003 im 1. Stadt-Umland-Forum das Thema Verkehr als ein wichtiges Zukunftsthema besprochen. Bereits das Manske-Gutachten zeigte die Problemlagen auf und so hat man sich entschieden, ein Verkehrsgutachten erstellen zu lassen, das 2005 vorlag. Diese Grunddaten wurden von Prof. Kurzak regelmäßig fortgeschrieben, 2010, 2011, 2012 und mit Untersuchungen der RWTH Aachen (Mikrosimulation zu Parallelbrücken 2006) und des Landkreises (Büro EBB zu möglichen Brücken im Westen 2013) ergänzt. Ich würde mir wünschen, dass sich alle mit diesen Ergebnissen auseinandersetzen und zwar, bevor man in die Diskussion eintritt.

Kneitinger Brücke

Die Kneitinger Brücke ist eine wesentliche Alternative, der man dann auch vorurteilsfrei begegnen muss. OB Wolbergs dargelegter Lösungs-Mix muss auch diese Möglichkeit entprechend berücksichtigen. Wenn man den Ergebnissen von Gutachten nicht glauben schenken will, sollte man diese auch nicht beauftragen. Und wenn eine bessere Alternative zur Verfügung steht, werden alle nordwestlichen Landkreisgemeinden diese dankbar annehmen!

Die Erkenntnisse zu dieser Brücke sind längst bekannt, werden aber immer wieder verdrängt:

  • alle Gutachten bestätigen die Sinnhaftigkeit und die verkehrliche Bedeutung der Brücke.
  • auf die neu entstehenden Potentiale für den RVV wurde vorgestern in der MZ hingewiesen.
  • Die Trasse ist nur 1100 m lang, der notwendige Grunderwerb realisierbar.
  • Die Geh- und Radwegeanbindung erschließt der Stadt auch das nordwestliche Umland.
  • Der Einspareffekt durch Vermeidung unnötiger Verkehre liegt bei 25.800 km/Tag! Ein Argument für Klima und Umweltschutz!

Fazit

Die Verkehrssituation in Regensburg wird sich nicht von alleine verbessern. Die Prognosezahlen der Obersten Baubehörde sind nachzulesen und gehen von einem Verkehrszuwachs für die Oberpfalz bis 2025 von 20,7 % bei PKW und 25 % bei LKWs aus (Quelle: Intraplan). Der Großraum Regensburg wird hier prozentual eher höher betroffen sein. Nicht nur die Stadt Regensburg verzeichnet einen Bevölkerungszuwachs, auch in den Landkreisgemeinden gibt es eine hohe Bautätigkeit. Das Pendlersaldo in die Stadt wird also weiter zunehmen, auch bei einer Verbesserung des ÖPNVs. Dazu kommen ungelöste Unterhalts- oder Erneuerungsmaßnahmen im Bereich Pfaffensteiner Tunnel und Sinzinger Autobahnbrücke, die beide massiv in die Verkehrsströme eingreifen werden. Radschnellwege oder klimapolitische Ziele (MIV 39% Suttner) werden hier nicht helfen.

Da für das Scheitern einer Sallerner Regenbrücke kein beziehungsweise allenfalls ein Plan B sichtbar ist und diese Alternative (Fortführung der Osttangente bis Regenstauf) über das Gemeindegebiet Zeitlarn mit Sicherheit nicht sehr schnell umzusetzen sein wird, gibt es jetzt nur ein klares Ziel: die von der IHK geforderte Road Map muss endlich schnell und vollständig erstellt werden.

Dazu gehört die sofortige Untersuchung der Parallelbrücken inklusive der berühmten Aumerschen 3. Tunnelspur mit einem klaren Ergebnis:

  • ist es machbar?
  • ist es finanzierbar?
  • und wird es dann auch gemacht?

Das Abwarten auf die Sallerner Regenbrücke mit der erhofften Entlastungssituation für die Pfaffensteiner Brücke ist nicht erforderlich, weil längst bekannt: Prof. Kurzak spricht hier von einer nur marginalen Entlastung der Pfaffensteiner Autobahnbrücke durch die Sallerner Regenbrücke.

Es gibt keinen Grund, permanent weitere Gründe des Aufschiebens zu suchen, um keine Entscheidungen treffen zu müssen. Das kostet nur weitere Zeit, die uns die Verkehrsentwicklung nicht gibt.

gez. Eduard Obermeier
1. Bürgermeister Gemeinde Pettendorf